Der erste Plié – Geschichte des Balletts

Der erste Plié – Geschichte des Balletts

Vom Ballsaal auf die Bühne

Ballett hat seine Ursprünge in Italien während der Renaissance

um das Jahr 1500. In der Tat stammen die Begriffe „Ballett“ und „Ball“, wie Maskenball, aus dem Italienischen – „ballare“ bedeutet tanzen. Als Katharina de Medici aus Italien den französischen König Heinrich II. heiratete, führte sie frühe Tanzstile in das höfische Leben Frankreichs ein. Wie der Begriff Maskenball andeutet, trugen die Tänzer Masken, Schichtenweise Brokat-Kostüme, Pantalons und ausladende Perücken-Ornamente. Mit dieser üppigen Bekleidung war es nicht einfach, sich frei zu bewegen. Tanzschritte bestanden weitestgehend aus kurzen Hüpfern, dem Hofknicks, Promenaden und sanften Drehungen. Tanzschuhe hatten kleine Absätze und glichen eher formellen Anziehschuhen als einem zeitgenössischen Ballettschuh.

Die offizielle Terminologie für das Ballett wurde in den nächsten 100 Jahren nach und nach aus dem Französischen übernommen. Während der Regentschaft von Ludwigs XIV. führte der König selbst viele der Tänze dieser Zeit auf. Professionelle Tänzer wurden engagiert, um bei Hoffunktionen aufzutreten, nachdem König Ludwig und andere Adlige mit dem Tanzen aufgehört hatten. Während sich in dieser Zeit auch eine ganze Reihe von Musikinstrumenten entwickelte, wuchsen die Tänze am Hof in Größe und Opulenz. Später wurden die Aufführungen auf erhöhten Plattformen präsentiert, sodass ein größeres Publikum die zunehmend pyrotechnischen und aufwendigen Spektakel erleben konnte.

Ein Tanz geht um die Welt

Von den italienischen Wurzeln ausgehend, entwickelte Ballett in Frankreich und Russland seinen eigenen stilistischen Charakter. Um 1850 war Russland ein führendes kreatives Zentrum der Tanzwelt geworden. Als sich Ballettaufführungen weiterentwickelten, kamen neue Moden und theatralische Illusionen hinzu. Das Tanzen „en pointe“ (auf den Zehen) wurde Anfang des 19. Jahrhunderts populär, wobei Frauen oft in weißen, glockenartigen Röcken auftraten, die an der Wade enden. Der „Tanz en pointe“ war nur Frauen vorbehalten. Dieser besondere Art des Tanzes und dessen Tänzerinnen imitierte eine erkennbare, romantische Heldin – ein Luftgeist oder eine Fee, deren makellose Güte und Reinheit unvermeidlich über das Böse oder Unrecht triumphiert.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte der russische Theaterproduzent Serge Diaghilev einige der talentiertesten Tänzer, Choreografen, Komponisten, Sänger und Designer des Landes zusammen, um eine Gruppe namens „Ballett Russes“ zu gründen. Die Gruppe tourte durch Europa und die USA und präsentierte eine große Auswahl an Balletten. In Amerika wurde das Ballett in den 1930er Jahren immer populärer, nachdem mehrere Tänzer Diaghilevs Truppe verlassen hatten, um in den USA zu arbeiten und sich dort niederzulassen.